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politik

Danke, Mohamed Bouazizi, für den Deal um Gilad Shalit

G

ilad Shalit hat wahrscheinlich nie von Mohamed Bouazizi gehört. Wahrscheinlich hat er auch nie vom arabischen Frühling gehört. Doch der Weg für diesen Deal, der einen israelischen Soldaten befreite, wurde von jenem tunesischen Straßenverkäufer eröffnet, der sich am 17. Dezember 2010 selbst verbrannte und so das Gesicht des Mitteleren Osten verändert hat. An jenem Tag verwandelte sich Gilad Shalid für die Hamas von einem Trumpf in eine Belastung. Deshalb Danke, Mohamed Bouazizi.

Benjamin Netanyahu ist ein gescheiterter Premierminister. Er hat es in seiner Amtszeit geschafft, sich mit jedem anzulegen, der ihm in den Weg kam – von Weltpolitikern bis hin zu den einheimischen Ärzten in den israelischen Krankenhäusern. Netanyahu war auch bereit, mit der Familie von Shalit die Konfrontation zu suchen. Die Ereignisse dieses Sommers und die Innenpolitik haben seine Position untergraben. Deshalb sucht der Premierminister jetzt etwas Ruhe und Frieden. Deshalb Dank auch Dir, Daphni Leef.

Die Hamas wurde nicht durch die Blockade Gazas oder die Operation Cast Lead bezwungen. Die Vereinbarung über die Freilassung von Shalit konnte, in dieser Form, nicht ohne die Revolutionen des arabischen Frühlings und die damit verbundenen Veränderungen in der arabischen Welt zustande kommen.

Die Hamas erhielt ein Angebot, daß sie nicht ablehnen konnte – eine Integration in die entstehende neue geopolitische Struktur im Mittleren Osten. Man muß nur die Rolle Ägyptens und der Türkei berücksichtigen, um zu bemerken, was die Hamas in diesem Tausch bekommen hat: Nicht nur die 1000 Gefangenen, sondern Luft zum Atmen. Khaled Mashal und die Hamasführung in Damaskus haben verstanden, daß ihre syrischen Patrone in Gefahr sind und sie andere Wege finden müssen. Ihre schweigende Unterstützung für den syrischen Präsidenten, der sein eigenes Volk massakriert , führte zu einer Welle des Protestes gegen die Bewegung, vor allem aus der Muslimbruderschaft, zu der die Hamas selbst gehört. Vor dem unausweichlichen Fall des syrischen Regimes boten Ägypten und die Türkei der Hamas Asyl, und drängten es, das sinkende syrisch-iranische Schiff zu verlassen.

Unter den heutigen Bedingungen ist es wenig wahrscheinlich, daß Mashal sein Versprechen an die immer noch tausenden Gefangenen in israelischen Gefängnissen und ihre Familien in der West Bank und dem Gazastreifen erfüllen kann. Denn die Hamas wird den Weg des "Widerstands", des bewaffneten Kampfes und der Entführung von Soldaten verlassen. Ahmed Jari, der Führer des bewaffneten Arms der Hamas in Gaza, wird seine Uniform ablegen und einen Anzug anziehen müssen. Er wird auch eine Vereinbarung mit der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) aushandeln. Er wird die Bewohner von Gaza aus dem Gefängnis befreien müssen, in das die Hamas sie mit der Übernahme ihrer Kontrolle gesteckt hat, damit in dem umfassenden Abkommen, das eines Tages mit Israel erreicht werden wird, der Gazastreifen Teil eines politischen Ganzen sein kann.

Die paar Strohhalme, an den die Hamas noch hing, sind mit dem arabischen Frühling untergegangen. Ihre Führung schnappt verzweifelt nach Luft. Wichtige Personen der Hamas wie Abdullah Barghouti, Ibrahim Hamed und Wael Saeed wurden nicht in die Vereinbarung aufgenommen und nicht freigelassen. Genauso die Führer der Tanzim Marwan Barghouti und Ahmed Sadaat. Das ist ein ernster Schlag für die Moral der Hamas, die wiederholt erklärt hatte, ohne ihre Freilassung werde sie Shalit nicht herausgeben.

Auch Israel stand vor einem Angebot, daß es nicht ablehnen konnte. Politisch gesehen war es ein Schnäppchen: Die Hamas war gezwungen, die israelischen Bedingungen anzunehmen, obwohl sie nicht einverstanden war.

Als der Chef von Shin Bet, Yoram Cohen, der Regierung mitteilte, nun wären die Bedingungen reif für ein Einigung, besseres sei nicht rauszuhandeln, bezog er sich auf diese Veränderungen. Die erfolgreiche Einmischung von Ägypten und der Türkei waren ein Zeichen für Israel: Es muß begreifen, daß es nicht die einzige Regionalmacht ist. Und eines Tages wird es noch einmal einen solchen Preis zahlen müssen: Denn wenn Israel 1000 Gefangene für einen Soldaten geben kann, dann kann es sicher auch den Ausbau der Siedlungen stoppen, diesmal für den "Soldaten" Abu Mazen.

Eines Tages wird Israel, unter dem Druck Ägyptens und der Türkei, verstehen, daß die Besatzung kein Trumpf ist, sondern eine Belastung.

  • Übersetzung ins Englische: Yonatan Preminger
  • Űbersetztung vom Englischen ins Deutsch: Sebastian Gerhardt.
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